Geschichtliches

 
 

 

von Claudia Bergner

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Haunstetten

Was fällt euch zu diesem Begriff ein? So heißt unser Stadtteil – unser Heimatort, der südlichste Teil von Augsburg. Richtig! Aber habt ihr euch schon einmal überlegt, wie lange es dieses Haunstetten schon gibt? Wann und wo siedelten hier die ersten Menschen? Wer hat sich denn den Namen Haunstetten ausgedacht? Seit wann gab es bei uns Schulen?

Wir, die Klasse 3 c der Fröbelschule, haben die Geschichte unseres Ortes während einer Projektwoche erforscht. Wir haben viel darüber gelesen, haben Experten befragt, haben mit alten Haunstettern gesprochen und wir haben uns natürlich auch in Haunstetten gründlich umgesehen. Dabei sind wir auf viel Wissenswertes und Interessantes gestoßen. Unser Material könnte mühelos ein Buch füllen. Aber wir wollen euch nicht langweilen und haben deshalb das uns am wichtigsten Erscheinende zusammengestellt und aufgeschrieben. Auf dem Schulfest könnt ihr euch auch unseren Dia-Vortrag dazu anhören.

Wir wollen euch aus der Geschichte unseres Ortes in chronologischer Reihenfolge berichten. Unsere Zeitreise beginnt sage und schreibe vor rund 5000 Jahren. Archäologen stoßen im Haunstetter Industrieviertel immer wieder auf Spuren von Menschen, die in der Jungsteinzeit an der Hangkante der fruchtbaren Hochterrasse siedelten. Wie ihr vielleicht wisst, sind in der Jungsteinzeit aus Jägern und Sammlern sesshafte Bauern geworden, die Getreide anbauten und sich Tiere hielten. Unklar ist jedoch, ob diese ersten Haunstetter hier längere Zeit lebten oder irgendwann weiterzogen.

Historisch eindeutig belegt ist hingegen, dass im Jahre 15 v. Chr. die Römer das Gebiet der keltischen Vindelicer, wie sie unsere Vorfahren nannten, eroberten. Kaiser Augustus, der zu Christi Geburt auch über Palästina herrschte, schickte seine beiden Stiefsöhne über die Alpen, um das Gebiet für das römische Weltreich zu erobern. Vermutlich wurde den gut organisierten römischen Heeren nur wenig Widerstand entgegengesetzt. Am Zusammenfluss von Lech und Wertach errichteten die Römer ein Heerlager. Aber bereits wenige Jahrzehnte danach entstand auf der Hochterrassespitze, die vor Jahrtausenden von Lech und Wertach angeschwemmt wurde, die römische Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum – die Stadt des Augustus in Vindelicum – das heutige Augsburg.

Die Römer bauten 46/47 n. Chr. entlang des Lechs eine ihrer berühmten Fernstraßen, die Via-Claudia-Augusta, die die Provinz mit Oberitalien verband. Die Via-Claudia nahm von Augburg kommend den Verlauf entlang der heutigen alten B 17. Dort wo heute die Pfarrkirche St. Georg steht, acht Kilometer von Augsburg entfernt, dürfte eine Art Rastplatz gelegen haben. Der Brunnenbach bot den reisenden Soldaten und Händlern frisches Quellwasser für sich und ihre Tiere. Weiter verlief die Straße über das Neuhaus in Königsbrunn nach Untermeitingen, wo eine Tagesetappe für das römische Fußvolk beendet war. Ob in römischen Zeiten in Haunstetten bereits Bauern lebten, ist jedoch eher unwahrscheinlich, da die Böden auf der Niederterrasse sehr schlecht waren. Die alte Römerstraße wurde jedoch auch nach dem Abzug der Römer noch jahrhundertelang genutzt. Die Alemannen, die ab 600 n. Chr. das Gebiet besiedelten, bauten ihre Höfe zunächst auf den fruchtbareren Böden der Augsburger Hochterrasse.

Erstmals taucht der Name „Husteten" Mitte des 11. Jahrhunderts in einem Abgabenverzeichnis des Klosters St. Ulrich und Afra auf. Haunstetten war damals jedoch noch kein Dorf, sondern bestand aus einem großen Bauernhof, einem sog. Meierhof, wo Mägde und Knechte für das Kloster arbeiteten. Im Laufe der Zeit wurden jedoch kleinere Bauernhöfe – Sölden genannt – vom Meierhof abgetrennt. Die Bauern musste einen Teil ihrer Ernte als Pacht an das Kloster abführen. U. a. waren dies Getreide, Salz, Eier, Schweine und Schafe.

1177 bestätigte der Papst, dass dem Kloster St. Ulrich und Afra das Dorf Husteten samt Grund und Untertanen geschenkt wurde. Heute steht der Bauernhof der Familie Brem auf dem Gelände des ehemaligen Meierhofs. Dieser wurde später abgerissen und darauf das sog. Schlösschen erbaut. Dort wohnte der vom Kloster eingesetzte Vogt. Er war eine Art Bürgermeister, der in seinem Amtshaus Streitigkeiten schlichten musste, die Abgaben der Bauern festlegte und alles Wichtige – etwa Hochzeiten, Geburten oder Sterbefälle - in seinen Büchern festhielt. Vom Schlösschen ist heute noch die Außenmauer zu sehen.

Die erste Kirche der Haunstetter war vermutlich die heutige Marienkapelle. Schon bald wurde jedoch in der Dorfmitte die Pfarrkirche St. Georg errichtet. Der Abt Willibald Popp ließ sie Ende des 17. Jahrhunderts in der Form umbauen, wie wir sie heute kennen.

Im 15. Jahrhundert bestand Haunstetten aus ca. 40 kleineren Bauernhöfen. Daneben gab es alles, was die Bauern brauchten: eine Mühle, eine Badstube, ein Wirtshaus, wo auch Bier gebraut wurde, und Handwerker, etwa den Schmied, den Schneider oder den Schuster.

Die Haunstetter Kinder waren von Kindesbeinen an damit beschäftigt, die Arbeiten der Großen zu erlernen. Es gab genügend Arbeit auf dem Feld, im Stall und in der Küche. Den Begriff Freizeit kannte man damals nicht. Die Arbeiten wurden von den Jahreszeiten bestimmt und Feiern und Feste orientierten sich am Kirchenjahr. Die Kirche regelte mit ihren Sitten und Gebräuchen das Leben der Bauern. Nach arbeitsreichen Wochen und Fasttagen folgten fröhliche Feste, die vom ganzen Dorf gefeiert wurden. Die Jungen lernten von den Alten und folgten deren festen Sitten und Verhaltensregeln. Geschichten, Gebete und Lieder wurden von Generation zu Generation weitergeben. Selten konnten Bauern lesen und schreiben. Das Rechnen beschränkte sich auf das Zählen der Hühner und Kühe. Auch Geld spielte kaum eine Rolle, denn das, was man zum Essen brauchte, wurde auf dem Hof erwirtschaftet. Die Dorfkinder wurden in ihren Familien zum Arbeiten gebraucht und kein Bauer kam auf die Idee, sein Kind jahrelang auf eine Schule zu schicken. Der Pfarrer war oftmals der gebildetste Mann im Ort.

Die wohlhabende Reichsstadt Augsburg, damals eine Weltstadt, war für die Haunstetter erst nach zwei bis drei Stunden Fußmarsch zu erreichen. Als Dörfler kam man nur selten in die Stadt. Es fehlte einem auch das Geld, um dort etwas einkaufen zu können. In der Stadt besuchten die Kinder wohlhabender Eltern bereits Schulen, da es zum Erlernen eines guten Berufes immer wichtiger wurde, Lesen und Schreiben zu können. Während der Reformation erkannten auch die Kirchen, dass es für den Christen nützlich ist, die Bibel selbst lesen zu können. Im Jahre 1600 errichtete deshalb das Kloster St. Ulrich und Afra auch in Haunstetten das erste Schulhaus. Der Schulmeister war zugleich der Mesner der Kirche. Nach dem Gottesdienst am Morgen unterrichtete er die 80 – 100 Kinder des Dorfes. Er bezog ein ärmliches Gehalt und konnte nicht selten mit seiner Familie nur deshalb überleben, weil ihm eine jährliche Zuteilung an Getreide zustand und er sich in seinem Garten Kleinvieh halten konnte. Vermutlich besuchten die Kinder 5 – 6 Jahre die Schule.

1802/03 wurde die 800-jährige Herrschaft des Reichsklosters über Haunstetten beendet. Die besonderen Rechte von Klöstern, Fürsten, Grafen oder freien Reichsstädten wurden aufgehoben und fortan gehörten alle Dörfer und Städte zum Königreich Bayern. Jetzt war der Schulbesuch für alle Kinder verpflichtend. Die Eltern machten sich strafbar, wenn sie ihre Kinder nicht zur Schule schickten. Das alte Schulhaus hinter der Pfarrkirche St. Georg wurde abgerissen und durch ein neues Gebäude ersetzt, wo nun zwei Lehrkräfte die rund 120 Kinder unterrichteten. Die Zahl der Kinder verdoppelte sich, als sich Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Textilfabriken in Haunstetten ansiedelten und Arbeiter aus umliegenden Dörfern nach Haunstetten zogen. Es wurden 3 Lehrkräfte benötigt. Auf dem Stundenplan standen die Fächer Katechismus, Lesen, Schreiben, Rechnen und nützliche Weltkenntnisse. Außerdem gab es das Fach Handarbeit, nämlich bei Mädchen das Stricken, Nähen und Klöppeln, bei Knaben die „nützlichen Geschäfte der Landwirtschaft". Die Industrialisierung war nicht mehr aufzuhalten. Es zogen immer mehr Arbeiterfamilien nach Haunstetten. Um die Jahrhundertwende stieg die Schülerzahl auf knapp 400 Schüler, so dass 6 Lehrerstellen bzw. 6 Klassen eingerichtet werden mussten. Sie zogen in das 1888 neu erbaute Schulhaus, in dem noch heute der Kindergarten von St. Georg untergebracht ist. Zwei Klassen mussten jedoch nach wie vor im alten Schulhaus bleiben.

1904 konnte die Eichendorffschule bezogen werden. Jahrelang war sie einer der elegantesten Bauten des Dorfes. Georg Käß, ein Miteigentümer der Firm Martini, hatte für den Bau 50 000 Mark gespendet. Die Gemeindeverwaltung belegte im neuen Schulhaus zwei Räume. Das Schulhaus konnte sich mit jeder Stadtschule messen lassen. Es gab hohe, helle Räume, die schon bald auch elektrisch beleuchtet werden konnten. Einige Jahre später bekamen die Toiletten sogar fließendes Wasser. Dies war ein Luxus, den die meisten Kinder zu Hause nicht kannten. Die Kinder besuchten die Schule am Vormittag von 8 – 11 Uhr und am Nachmittag von 13 bis 15 oder 16 Uhr. Der Mittwochnachmittag war frei und am Samstag war nur am Vormittag Unterricht. Jede Jahrgangsstufe hatte ihren eigenen Lehrer. Es gab auch schon einige Lehrerinnen. Als Lehrerin durften sie jedoch nicht heiraten, denn die Doppelbelastung von eigener Familie und Schule schien damals zu groß zu sein. Die Lehrer genossen im Dorf ein hohes Ansehen, obwohl sie nach wie vor ein sehr bescheidenes Gehalt bezogen.

Ob die Kinder damals gerne zur Schule gingen, wissen wir nicht. Fragt euere Großeltern und Urgroßeltern! Wem das Lernen leicht fiel, war sicher mit Begeisterung bei der Sache. Es gab ja weder Radio noch Fernsehen, und die weite Welt begegnete einem erstmals im Schulbuch.

Bei durchschnittlich 80 Kindern pro Klasse musste strenge Disziplin herrschen. Wer glaubte Unsinn treiben zu können, machte die Bekanntschaft mit dem Rohrstock oder mit scharfen Strafen - etwa 100 mal das kleine Einmaleins aufzuschreiben. Wer sich zu Hause beschwerte, bekam nicht selten eine zusätzlich Strafe der Eltern. Man hatte eben zu gehorchen, denn es gab auch zu Hause viele Arbeiten, die von Kindern erledigt werden mussten. Kaum ein Elternteil hätte dafür Verständnis gehabt, über selbstverständliche Pflichten mit seinen Kindern zu diskutieren. Entschädigt wurden die Kinder durch Spielmöglichkeiten, die wir uns heute kaum mehr vorstellen können. Die Straßen und Plätze gehörten den Kindern, denn es kam nur selten ein Auto und den Pferde- und Ochsenfuhrwerken konnte man mühelos ausweichen.

Vor dem zweiten Weltkrieg gab es große Veränderungen in Haunstetten. Das Messerschmitt-Flugzeugwerk baute zwischen der Flachsstraße und der Hofackerstraße eine Siedlung für Arbeiterfamilien. Facharbeiter wurden in ganz Deutschland angeworben, um bei den Messerschmittwerken im Süden Augsburgs zu arbeiten. Die Familien erhielten nicht nur eine für damalige Zeiten komfortable Wohnung oder gar ein preiswertes Einfamilienhaus, sondern auch Gärten, in denen sie während des Krieges Gemüse anbauen mussten und sich Kleintiere halten konnten. In dieser Zeit verdoppelte sich an den Haunstetter Schulen die Zahl der Schulkinder. Dabei muss man bedenken, dass fast alle schulpflichtigen Kinder die Volksschule besuchten. Kinder von Bauern und Arbeitern gingen früher nur sehr selten auf eines der Augsburger Gymnasien. Die auf den Höheren Schulen vermittelten Inhalte waren den Eltern völlig fremd und ein Studium in einer fremden Stadt wäre unerschwinglich teuer gewesen. Die Haunstetter Kinder strebten nach einer sicheren Stelle als Handwerker oder Facharbeiter.

Obwohl damals nur für Jungen eine achtjährige Schulpflicht bestand, waren die Klassen in der Eichendorffschule so stark, dass sie im Abteilungsunterricht geführt werden mussten. Das bedeutete, dass ein Lehrer zwei Klassen übernehmen musste, die abwechselnd am Vormittag oder am Nachmittag Unterricht hatten. Jetzt denkst du vielleicht, das war für die Kinder toll, denn endlich hatten sie nicht mehr den ganzen Tag Unterricht. Das stimmt sicher, aber mit dem Beginn des 2. Weltkrieges brachen auch für sie schwere Zeiten an. Erwachsene Brüder und junge Väter mussten als Soldaten in den Krieg ziehen, selbst Lehrer wurden eingezogen und das, obwohl ein großer Lehrermangel bestand. Dabei wurde die Arbeit zu Hause immer mehr und die Kinder mussten selbstverständlich mit anpacken. Die Familien hielten sich in Hinterhofställen und Waschküchen Kleintiere, bauten Kartoffeln und Gemüse an und gingen zum Holzsammeln in den Wald. Größere Kinder mussten bei den Bauern arbeiten. Schon bald veränderte sich auch das Bild in den neu erbauten Ortsteilen. Auf freien Flächen wurden Barackenlager für Zwangsarbeiter gebaut. Dort lebten meist jüngere Menschen, die aus aller Herren Länder nach Deutschland verschleppt wurden, um hier in den Fabriken zu arbeiten.

Aber es kam noch viel schlimmer. Im Süden von Haunstetten lag eine ehemalige Kiesgrube. In der kleinen Wasserpfütze, die sich dort sammelte, machte so manches Haunstetter Kind seine ersten Schwimmversuche. Freibäder oder gar Hallenbäder gab es ja noch nicht. Dieses Spielgelände der Kinder wurde eilig aufgefüllt und darauf ein Barackenlager errichtet. Das Besondere daran war, dass es im Gegensatz zu anderen Lagern mit Stacheldrahtzaun und Wachtürmen gesichert wurde. Es war ein KZ-Außenlager, wo bis zu 3000 Menschen eingesperrt wurden und viele täglich vor Sonnenaufgang in die Messerschmitt-Werke zur Arbeit marschieren mussten.

Die schlimmsten Zeiten für die Haunstetter brachen 1944 an. Es wurden wiederholt Bombenangriffe gegen das Messerschmitt-Werk geflogen und die tödliche Fracht traf auch die nördlichen Ortsteile von Haunstetten. Ganze Familien kamen dabei in ihren Kellern ums Leben und es waren natürlich auch Schulkinder darunter. Im Alten Friedhof erinnern noch heute die Reihengräber an diese schreckliche Zeit. In den letzten Kriegsmonaten wurde ein Großteil der Haunstetter Kinder aufs Land geschickt. Viele kamen davon ins Allgäu, wo sie bei den Bauern mitarbeiten mussten.

Als endlich der Krieg zu Ende war und die Schulkinder wieder in ihren Familien lebten, waren die schweren Zeiten noch lange nicht beendet. Viele Brüder und Väter waren noch im Krieg vermisst oder befanden sich in Kriegsgefangenschaft. Die Lebensmittelversorgung war so schlecht, dass viele Menschen ständig unter Hunger litten. Zusätzlich suchten jetzt viele Flüchtlinge und Vertriebene in Haunstetten eine neue Heimat. Die Haunstetter mussten in ihren bescheidenen Häusern und Wohnungen enger zusammenrücken, um in einem oder zwei Zimmern ganze Flüchtlingsfamilien aufzunehmen.

Im Schuljahr 1947/48 gab es 1100 Schulkinder in Haunstetten, die von nur 12 Lehrkräften unterrichtet werden sollten. Dabei gab es weder Schulbücher noch ausreichend Papier. Am schlimmsten war aber der Platzmangel. In der Eichendorffschule wurde eilig das Dach ausgebaut und in der TSV-Turnhalle wurden vier Räume zu Klassenzimmern umfunktioniert.

Als 1951 gar eine katholische und eine evangelische Bekenntnisschule eingeführt wurde, mussten viele Räume von mehreren Klassen benutzt werden. Eine große Entlastung kam erst durch den Bau der Fröbelschule. Nur sieben Jahre nach dem Krieg wurde für 550 000 DM ein vorbildliches Schulhaus errichtet. Es hatte nicht nur eine Schulküche und Werkräume, sondern auch Gruppenräume zwischen den Klassenzimmern. Die Haunstetter hatten viele gute Gründe, auf ihre Gemeinde stolz zu sein. Einen Tag vor der Einweihung der Fröbelschule wurde das Dorf Haunstetten zu einer selbständigen Stadt erhoben. Das bedeutete nicht nur, dass mehr als 10 000 Einwohner hier lebten, sondern auch, dass die Stadt über alle wichtigen Einrichtungen verfügte, die zu einer Stadt gehören mussten. Haunstetten hatte ein gutes Straßennetz, eine Straßenbahnverbindung nach Augsburg und alle Häuser konnten mit Wasser und Strom versorgt werden. Ferner bestand eine gut organisierte Verwaltung, an deren Spitze seit fast 30 Jahren Bürgermeister Widmeier stand. Haunstetten hatte Vereine, die Sport und Kultur pflegten. Selbst ein Wappen wurde entworfen, das die 1000-jährige Geschichte der Gemeinde belegte. Der Schimmel erinnert an den Abt Willibald Popp, das Kreuz an die 800jährige Herrschaft des Klosters St. Ulrich und Afra über Haunstetten und das Zahnrad an die Industrie, die sich seit 150 Jahren hier ansiedelte.

Bald gab es auch keine Barackenlager mehr und aus Flüchtlingen wurden Neubürger, die hier Arbeit fanden und in die neuen Wohngebiete im Westen des Ortes ziehen konnten.

In den folgenden zwei Jahrzehnten konnte sich die Stadt Haunstetten prächtig entwickeln. Die Zahl der Einwohner verdoppelte sich auf 20 000. 1955 konnte das neue Rathaus im Palais der Gräfin Tattenbach bezogen werden, 1958 wurde die Albert-Einstein-Schule errichtet, 1961 wurde das Freibad eröffnet, 1966 wurde die Fröbelschule erweitert und 1974 wurde die Südschule bezogen. Kurz darauf wurde das Hallenbad eingeweiht. Für viele alte Haunstetter war es deshalb nur sehr schwer einzusehen, dass Haunstetten 1972 im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreformen in Bayern in die Stadt Augsburg eingemeindet wurde und seine Selbständigkeit aufgeben musste. Inzwischen dehnten sich jedoch die Wohngebiete so weit aus, dass Haunstetten mit den südlichen Stadtteilen von Augsburg zusammengewachsen war. Aus einem Dörfchen, das man zu Fuß von Augsburg in zwei Stunden erreichen konnte, wurde ein Augsburger Stadtteil, der viele junge Familien anzog, die hier Reihenhäuser oder Wohnungen in Neubauten fanden.

Auch in den letzten 20 Jahren veränderte Haunstetten immer wieder sein Gesicht. Die alten Textilfabriken wurden abgerissen und dienen heute als Trinkwasserschutzgebiete, während sich neue größere und kleinere Betriebe im Industrieviertel im Nordwesten ansiedelten. Auch im ehemaligen Dorf mussten inzwischen die meisten baufälligen Bauernhäuser Neubauten weichen. Im Süden wurde der Ilsesee zu einem beliebten Badesee und Erholungsgebiet ausgebaut.

Wir glauben, die meisten von uns leben gerne in Haunstetten, unabhängig davon, ob sie hier nun geboren sind oder erst seit kurzem hier leben. Haunstetten ist uns allen zu einem guten Stück Heimat geworden.

Claudia Bergner
aus Anlass der 50 Jahrfeier der Fröbelschule im Jahre 2002